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18.06.2016

Integration braucht Begegnungsräume in Arbeit und Bildung

Integration braucht Begegnungsräume in Arbeit und Bildung

Weltflüchtlingstag, 20. Juni 2016

GALLNEUKIRCHEN. AsylwerberInnen ist bis zu einem positiven Asyl-Bescheid der Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt verwehrt.  Der Erwerb der deutschen Sprache wird nun ermöglicht, doch die Wege der Integration sind begrenzt. „Räume der Begegnung“ werden gestaltet, unterstützt von vielen Freiwilligen, doch sie ersetzen nicht die so wichtigen Begegnungen im Alltag, die nur im Umfeld von Arbeit und Bildung gelingen können. Die Erfahrung in der Flüchtlingsbegleitung zeigt, die Wartezeit im Grundversorgungsquartier erschwert die Integration. Auch volkswirtschaftlich betrachtet wird eine große Chance vergeben.

Das Diakoniewerk begleitet in Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark derzeit rund 900 Asylsuchende in der Grundversorgung. Bereits vor 10 Jahren begann das Diakoniewerk mit der Begleitung von minderjährigen Flüchtlingen in Deutschfeistritz, seit Herbst 2014 nun verstärkt im Auftrag der drei Länder.

Bisherige Bemühungen konzentrierten sich vor allem auf die Beschaffung von Wohnraum. Die soziale Integration von Asylsuchenden stellt jedoch eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. Gemeinsam mit Freiwilligen-Netzwerken in den Städten und Gemeinden werden erste Schritte des Kennenlernens und der Integration gesetzt. Viele Zeichen der Solidarität werden sichtbar. Doch die Integrationsfrage ist damit nicht gelöst, sie fordert inhaltlich viel mehr.

Weitere wichtige Schritte, wie flächendeckende Deutschkurse für Asylsuchende und das Kennenlernen und Verstehen der österreichischen Werte und Kultur sind nun in Umsetzung. Doch echte Integration ist viel mehr, sie geschieht über Begegnungen in Arbeit und Bildung. Im persönlichen Kennenlernen liegt auch eine große Chance zum Abbau von Vorurteilen.

„Die Betroffenen wollen arbeiten, sie wollen ihren Beitrag leisten und ihre Qualifikationen einbringen. Menschen, die vom Arbeitsleben ausgeschlossen sind, werden damit automatisch ausgegrenzt – das ist ein bekanntes, gesellschaftliches Phänomen“, betont Mag. Christa Schrauf, Rektorin im Diakoniewerk.

Vor diesem Hintergrund hat das Diakoniewerk einen Lehrgang zur Berufsorientierung für Asylsuchende in Oberösterreich entwickelt, der im Herbst 2016 in der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Gallneukirchen startet. Der zweisemestrige Kurs mit Deutschschwerpunkt soll für einen Beruf im Sozialbereich begeistern, und kann mit der Ausbildung zur Fach-SozialbetreuerIn Altenarbeit oder Behindertenarbeit fortgesetzt werden.

„Eine erfolgreiche Integration braucht auf beiden Seiten den guten Willen der Beteiligten aber auch einen verbindlichen Plan, mit den entsprechenden Maßnahmen und Schritten für eine nachhaltige Integration in der Aufnahmegesellschaft. Fördern wie Fordern sind notwendig. Die Probleme des Zusammenfindens und Miteinanderlebens sollen genauso thematisiert werden, wie die Erfolgsgeschichten“, so Rektorin Christa Schrauf.

Das Diakoniewerk hat inzwischen die ersten Beschäftigten mit positivem Asylbescheid. Ein Faktor für deren schnelle Integration waren die rasch erworbenen Deutschkenntnisse. Diese haben einen Arbeitsplatz ermöglicht - der wiederum, selbstständiges Wohnen. Mit dieser Grundlage steigen die Ausbildungs- und Fortbildungschancen.

Auch das Freiwillige Integrationsjahr (FIJ), das im Diakoniewerk sehr begrüßt wird, ist eine wichtige Maßnahme des Arbeitsmarktservices, die Asylberechtigten im Sozialbereich Chancen eröffnet.

Gelungene Integration schafft Heimat und ermöglicht eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Sie legt den Grundstein zur Gleichberechtigung in rechtlicher, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht.

Grundlagen einer erfolgreichen Integration, aus Sicht des Diakoniewerks:
* im Erwerb von ausreichenden Deutschkenntnissen und Grundwissen über die österreichische Gesellschaft, Kultur und Politik, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können


* in der Aufnahme einer möglichst ausbildungsadäquaten Arbeit, mit der der Lebensunterhalt selbständig bestritten werden kann, oder einer berufsspezifischen weiterführenden Ausbildung

* in einer längerfristig gesicherte Wohnung mit eigenem Mietvertrag

* im Aufbau von stabilen sozialen Kontakten und die Entwicklung der Fähigkeit, auftretende Probleme unabhängig von der Unterstützung von Hilfsorganisationen lösen zu können

Bild: Diakoniewerk, Abdruck honorarfrei

Rückfragen:
Mag. MBA Daniela Scharer
Kommunikation & PR
Diakoniewerk (Zentrale)
Telefon 07235 63 251 128
Mobil 0664 220 16 25
d.scharer@diakoniewerk.at
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